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1847 - Appenzell Innerrhoden beteiligt sich nicht am Sonderbundskrieg

Das Misstrauen gegenüber dem Bundesstaat sitzt tief

Wie andere katholische Orte der Eidgenossenschaft zeigte Appenzell Innerrhoden in den 1830er- und 1840er- Jahren kein Interesse an einer Revision des Bundesvertrages. Zentralistischen Staatsideen und individualistischen Freiheitsvorstellungen stand man mit grosser Distanz gegenüber. Als 1847 der Sonderbundskrieg ausbrach, in dem sich föderalistisch gesinnte katholisch-konservative Orte und zentralistisch eingestellte überwiegend liberal-reformierte Orte gegenüberstanden, unterstützte Innerrhoden vorbehaltlos die Bewahrer der alten Ordnung. Militärisch gesehen blieb der Kanton allerdings neutral, da er sich, weit entfernt von den katholischen Innerschweizer Orten, auf verlorenem Boden fühlte. Die Weigerung andererseits, dem Truppenaufgebot der Tagsatzung Folge zu leisten, kam Innerrhoden teuer zu stehen. Die Eidgenossenschaft verurteilte den Halbkanton nach der Niederlage des Sonderbundes zu einer Busse von Fr. 15'000.-.

Bild Legende:
Innerrhoden hielt sich militärisch vom Sonderbundeskrieg fern. Innerrhoder Füsiliere vor dem Hotel Adler, Appenzell, 1842. Zeichnung von Albert von Escher. [Privatbesitz]

Appenzell Innerrhoden verwarf die Bundesverfassung von 1848 zusammen mit den Innerschweizer Kantonen deutlich. Ja, es hatte sich zusammen mit Neuenburg - der andere neutrale Kanton im Sonderbundskrieg - nicht einmal an deren Ausarbeitung beteiligt. Nachdem sich bereits die Mehrheit der Stände für die Bundesverfassung ausgesprochen hatte, hatten die Innerrhoder Männer an der ausserordentlichen Landsgemeinde vom 27. August 1848 über deren Annahme zu bestimmen. Der Grosse Rat hatte entschieden, die Vorlage ohne Empfehlung vorzulegen. Er hoffte auf eine deutliche Verwerfung, obwohl den Grossräten die Unausweichlichkeit des neuen Bundesstaates durchaus bewusst war. Sie spekulierten jedoch darauf, sich bei einer klaren Ablehnung gewissermassen contre coeur dem Mehrheitsentscheid der Kantone fügen und so weitere politisch heikle Diskussionen im Kanton vermeiden zu können. Und so geschah es auch. Bis allerdings die Innerrhoder Verfassung an die neuen Bundesbestimmungen angepasst war, dauerte es noch bis 1872. Der Zwang, das Eigenleben des Kantons den Gegebenheiten des neuen Bundesstaates anzupassen, rief heftige politische Auseinandersetzungen hervor, die bezeichnend waren für die konservativ-liberalen Gegensätze in der Epoche des Kulturkampfes. Das Misstrauen gegenüber Bern blieb bestehen. Zwischen 1848 und 1899 verwarf Innerrhoden 50 von 55 Abstimmungsvolagen des Bundes zum Teil mit massiven Mehrheiten!

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